Weitere deutsche Weinlieder


Weitere deutsche Weinlieder


Übersicht

  1. Als Noah aus dem Kasten war
  2. An die Freude
    (Freude, schöner Götterfunken)
  3. Aus dem Schenkenbuch (Saki Nameh)
    (Sitz ich allein, wo kann ich besser sein)
  4. Aus Feuer ward der Geist geschaffen
  5. Blanke, schlanke, Kellnerin
    (Die schöne Kellnerin aus Bacharach)
  6. Bringt mir Blut der edlen Reben
  7. Brüder, lass uns lustig sein
  8. Burschenlust
    (Der Mai ist gekommen)
  9. Der Tod und der Mediziner
    (Gestern, Brüder, könnt ihr 's glauben)
    Die 1888er Weine
  10. Ein König ist der Wein
  11. Guter Mann, du gehst so 
  12. Herbstlied(Bunt sind schon die Wälder)
  13. Herr Durst
    (Herr Durst ist ein gestrenger Mann)
  14. In jedem vollen Becher Wein
  15. Lustig, lustig, ihr lieben Brüder
  16. Muskatellerlied
    (Den liebsten Buhlen, den ich han)
  17. Roter Wein im Becher
  18. Sitz ich in frohem Zecherkreise
  19. Trinklied(So lang man nüchtern ist, gefällt das Schlechte)
  20. Trinklied
    (Ohne Wein wär' dieses Leben tragisch)
  21. Weinlied
    (Fein, fein schmeckt uns der Wein)
  22. Weinlied
    (Gläser klingen, Nektar glüht)
  23. Weinmarsch
    (Gesellen, nehmt das Glas zur Hand)
  24. Wohlauf noch getrunken


1. Als Noah aus dem Kasten war


Text: Als Noah aus dem Kasten war (Historie von Noah),
August Kopisch 1834 in Auswahl Deutscher Gedichte,
Hermann Kluge, Verlag Oskar BondeAltenburg, 1908, p 333
Melodie: Karl Gottlieb Reissiger 1827
Musikvideo, Andreas Gronau: YouTube



1. Als Noah aus dem Kasten war,
Da trat zu ihm der Herre dar,
Der roch des Noäh Opfer fein
Und sprach:“ Ich will dir gnädig sein,
Und, weil du so ein frommes Haus,
So bitt’ dir selbst die Gnaden aus!“

2. Fromm Noah sprach:“Ach lieber Herr,
Das Wasser schmeckt mir gar nich sehr,
Dieweil darin ersäufet sind
All’ sündhaft Vieh und Menschenkind;
Drum möcht ich armer alter Mann
Ein anderweit Getränke ha’n.“

3. Da griff der Herr ins Paradies
Und gab ihm einen Weinstock süss
Und sprach:“ Den sollsest du pflegen sehr!“
Und gab ihm guten Rat und Lehr,
Und wies ihm alles so und so:
Der Noah ward ohn’ Massen froh.

4. Und rief zusammen Weib und Kind,
Dazu sein ganzes Hausgesind,
Pflanzt Weinberg rings um sich herum;
Der Noah war fürwahr nicht dumm!
Baut Keller dann und presst den Wein
Und füllt ihn gar in Fässer ein.

5. Der Noah war ein frommer Mann,
Stach ein Fass nach dem andern an
Und trank es aus, zu Gottes Ehr:
Das macht ihm eben kein Beschwer.
Er trank, nachdem die Sündflut war 
Dreihundert noch und fünfzig Jahr.
Nützliche Lehre

6. Er kluger Mann hieraus ersicht,
Dass Weins Genuss ihm schadet nicht;
Und item, dass ein guter Christ
In Wein niemalen Wasser giesst,
Dieweil darin ersäufet sind
All sündhaft Vieh und Menschenkind.



2. An die Freude


Text: Friedrich Schiller
Melodie: Ludwig van Beethoven
Musikvideo: YouTube

1. Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Chor
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.

2. Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wers nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Chor
Was den großen Ring bewohnet,
Huldige der Sympathie!
Zu den Sternen leitet sie,
Wo der Unbekannte thronet.

3. Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod.
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.

Chor
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Über Sternen muß er wohnen.

4. Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären rollt sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.

Chor
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächtgen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum Siegen.

5. Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu der Tugend steilem Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre Fahnen wehn,
Durch den Riß gesprengter Särge
Sie im Chor der Engel stehn.

Chor
Duldet mutig, Millionen!
Duldet für die beßre Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

6, Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ists, ihnen gleich zu sein.
Gram und Armut soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sei vergessen,
Unserm Todfeind sei verziehn,
Keine Träne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.

Chor
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder – überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

7. Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmut Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmut – –
Brüder, fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
Dieses Glas dem guten Geist.

Chor
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Überm Sternenzelt dort oben!

8. Festen Mut in schwerem Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwornen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen –
Brüder, gält es Gut und Blut, –
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der Lügenbrut!

Chor
Schließt den heilgen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein:
Dem Gelübde treu zu sein,
Schwört es bei dem Sternenrichter!

9. Rettung von Tyrannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toten sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr sein.

Chor
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder – einen sanften Spruch
Aus des Totenrichters Munde!




3. Aus dem Schenkenbuch (Saki Nameh)


Text: J.W. von Goethe: Öst-westlicher Divan, 1819
Musikvideos: Sitz ich allein: YouTube

...

Sitz ich allein,
Wo kann ich besser sein?
Meinen Wein
Trink ich allein;
Und niemand setzt mir Schranken;
Ich hab so meine eignen Gedanken.
...

Daß aber der Wein von Ewigkeit sei,
Daran zweifl ich nicht;
Oder daß er von den Engeln geschaffen sei,
Ist vielleicht auch kein Gedicht.
Der Trinkende, wie es auch immer sei,
Blickt Gott frischer ins Angesicht.

Trunken müssen wir alle sein!
Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;
Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,
So ist es wundervolle Tugend.
Für Sorgen sorgt das liebe Leben
Und Sorgenbrecher sind die Reben.



Da wird nicht mehr nachgefragt,
Wein ist ernstlich untersagt.
Soll denn doch getrunken sein,
Trinke nur vom besten Wein!
Doppelt wärst du ein Ketzer
In Verdammnis um den Krätzer.


Solang man nüchtern ist,
Gefällt das Schlechte;
Wie man getrunken hat,
Weiß man das Rechte;
Nur ist das Übermaß
Auch gleich zu Handen,


Hafis, o lehre mich,
Wie du's verstanden!
Denn meine Meinung ist
Nicht übertrieben:
Wenn man nicht trinken kann,
Soll man nicht lieben,


Doch sollt ihr Trinker euch
Nicht besser dünken:
Wenn man nicht lieben kann,
Soll man nicht trinken.

...




4. Aus Feuer ward der Geist geschaffen 


Text: Ernst Moritz Arndt
Musikvideo: YouTube



1. Aus Feuer ward der Geist geschaffen,
drum schenkt mir süßes Feuer ein,
Die Lust der Lieder und der Waffen,
die Lust der Liebe schenket ein,
Der Traube süßes Sonnenblut,
das Wunder glaubt und Wunder thut!

2. Was soll ich mit dem Zeuge machen,
dem Wasser, ohne Saft und Kraft?
Gemacht für Frösche, Kröten, Drachen
und für die ganze Würmerschaft?
Für Menschen muß es frischer sein,
drum schenket Wein und bringet Wein.

3. O Wonnesaft der edlen Reben,
o Gegengift für jede Pein!
Wie matt und wässrig wär das Leben,
wie ohne Stern und Sonnenschein,
Wenn du, der einzig leuchten kann,
nicht zündest deine Lichter an.

4. Es wären Glaube, Liebe, Hoffen
und alle Herzens Herrlichkeit
In nassem Jammer längst ersoffen
und alles Leben hieße Leid,
Wärst du nicht in der Wassersnot
des Mutes Sporn, der Sorge Tod.

5. Drum dreimal Ruf und Klang gegeben,
ihr frohen Brüder, stimmet an:
Dem frischen, kühlen Wind im Leben,
der Schiff und Segel treiben kann!
Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein!
und trinket aus und schenket ein.






5. Blanke, schlanke Kellnerin (Die schöne Kellnerin von Bacharach)


Text: Friedrich Hieronymus Truhn (1811 - 1886)


1. Blanke, schlanke Kellnerin 
Blanke, schlanke Kellnerin, 
Blank und schlank sind deine Flaschen, 
Blanker, schlanker ist dein Leib. 
Laß mich trinken, laß mich naschen 
Sorgenbann und Leidvertreib! 

2. Blanke, schlanke Kellnerin, 
Zum Umspannen ist dein Mieder 
Mit vier Fingern ohn' Beschwer. 
Fülle mir den Schoppen wieder! 
Mit vier Zügen ist er leer. 
Blanke, schlanke Kellnerin, 

3. Schlanke Leibchen hab' ich gerne, 
Aber schlanke Flaschen nicht, 
Dank dem durstig heißen Sterne, 
Unter dem ich trat an's Licht. 
Blanke, schlanke Kellnerin, 
Fordr' ich doch den schlanksten Schoppen, 

4. Sage nicht, ich sei ein Thor. 
Denn er zaubert, mich zu foppen, 
Deinen schlanken Leib mir vor. 
Blanke, schlanke Kellnerin, 
Schlanke Flaschen dir behagen, 
Ob ihr Glas auch leicht zerbricht: 

5. Schlanke Leibchen, laß dir sagen, 
Knacken wohl, doch brechen nicht. 
Blanke, schlanke Kellnerin, 
Wohl bekomm' es deinen Kannen, 
Daß so schnell mein Schoppen leer! 
Darf ich deinen Leib umspannen, 
Mess' ich keine Flasche mehr.



6. Bringt mir Blut der edlen Reben (Trinklied)


Text: Ernst Moritz Arndt, 1817
Musikvideo: Rundfunk Jugendchor Wernigerode: YouTube


1. Bringt mir Blut der edlen Reben,
bringt mir Wein!
Wie ein Frühlingsvogel leben,
in den Lüften will ich schweben
bei dem Wein, bei dem Wein!


2. Bringt mir Efeu, bringt mir Rosen

zu dem Wein!
Mag Fortuna sich erbosen
selbst will ich mein Glück mir losen
in dem Wein!

3. Bringt mir Mägdlein, hold und mundlich,
zu dem Wein.
Rollt die Stunde glatt und rundlich,
greif' ich mir die Lust sekundlich,
in dem Wein.


4. Bringt mir auch, das darf nicht fehlen

bei dem Wein!
echte, treue deutsche Seelen
und Gesang aus hellen Kehlen
bei dem Wein!

5. Klang dir, Bacchus, Gott der Liebe,

in dem Wein!
Sorgen fliegen fort wie Diebe,
und wie Helden glüh'n die Triebe
durch den Wein!

6. Klang dir Bacchus, Gott der Wonne,

in dem Wein!
Ha! schon schau ich Mond und Sonne,
alle Sterne in der Tonne,
in dem Wein!

7. Höchster Klang, wem sollst du klingen
in dem Wein?
Süßester von allen Dingen,
dir, o Freiheit, will ich's bringen
in dem Wein!






7. Brüder, lasst uns lustig sein


(nach Johann Christian Günther 1717)
Musikvideo: YouTube


1. Brüder, laßt uns lustig sein,
Weil der Frühling währet
Und der Jugend Sonnenschein
Unser Laub verkläret;
Grab und Bahre warten nicht,
Wer die Rosen jetzo bricht,
|: Dem ist der Kranz bescheret. :|

2. Unsres Lebens schnelle Flucht
Leidet keinen Zügel,
Und des Schicksals Eifersucht
Macht ihr stetig Flügel;
Zeit und Jahre fliehn davon,
Und vielleicht schnitzt man schon
|: An unsres Grabes Riegel. :|

3. Wo sind diese, sagt es mir,
Die vor wenig Jahren
Eben also, gleich wie wir,
Jung und fröhlich waren?
Ihre Leiber deckt der Sand,
Sie sind in ein ander Land
|: Aus dieser Welt gefahren. :|

4. Wer nach unsern Vätern forscht,
Mag den Kirchhof fragen:
Ihr Gebein, so längst vermorscht,
Wird ihm Antwort sagen;
Kann uns doch der Himmel bald,
Eh' die Morgenglocke schallt,
|: In unsre Gräber tragen! :|

5. Unterdessen seid vergnügt,
Laßt den Himmel walten,
Trinkt, bis euch der Wein besiegt,
Nach Manier der Alten!
Fort, mir wässert schon das Maul,
Und, ihr andern, seid nicht faul,
|: Die Mode zu erhalten! :|

6. Dieses Gläschen bring ich dir, 
daß die Liebste lebe 
und der Nachwelt bald von dir 
einen Abriß gebe. 
Setzt ihr andern gleichfalls an,
und wenn dieses ist getan, 
:so lebt der edlen Rebe.:





8. Burschenlust (Der Mai ist gekommen)


Text: Emanuel Geibel (1841),
Melodie: Justus Wilhelm Lyra (1843)
Musikvideo: YouTube



1. Der Mai ist gekommen,
Die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat,
Mit Sorgen zu Haus!
Wie die Wolken wandern
Am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn
I
n die weite, weite Welt.

2. Herr Vater, Frau Mutter,
Daß Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne
Mein Glück mir noch blüht;
Es gibt so manche Straße,
Da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein,
Den ich nimmer noch probiert.

3. Frisch auf drum, frisch auf drum
Im hellen Sonnenstrahl!
Wohl über die Berge,
Wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen,
Die Bäume rauschen all;
Mein Herz ist wie'n Lerche
Und stimmet ein mit Schall.

4. Und abends im Städtlein,
Da kehr ich durstig ein:
"Herr Wirt, Herr Wirt,
Eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel,
Du lustger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel,
Das sing ich dazu!"

5. Und find ich keine Herberg,
So lieg ich zur Nacht
Wohl unter blauem Himmel,
Die Sterne halten Wacht;
Im Winde die Linde,
Die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh
Das Morgenrot mich wach.

6. O Wandern, o Wandern,
Du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem
So frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet
Das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön,
O du weite, weite Welt!


Das Lied vom Wein

1. Das Lied vom Wein ist leicht und klein
und flößt euch Lust zum Trinken ein.
Und wer das Lied vom Wein nicht weiß,
der lern' es heut in unserm Kreis!

2. Ihr schwatzt nicht lang' beim Becherklang,
der Wein begeistert zum Gesang.
Wer singen kann, der preis' ihn hoch,
und wer's nicht kann, der summe doch!

3. Wein frischt das Blut, gibt neuen Mut
und schafft die Herzen mild und gut.
Wein ist der Sorgen jäher Tod,
zu schöner Tat ein Aufgebot.

4. Der Trinkgenoß ist ohne Schloß
und ohne Schätze reich und groß;
ja, Götter sind beim Weine wir,
und der Olymp ist künftig hier!

5. Nennt Brüder euch in Bacchus Reich
ist alles frei, ist alles gleich.
O Zaubertrank! Der edle Wein
lehrt uns die goldne Zeit erneu'n.





9. Der Tod und der Mediziner (1747)

Text: Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781),
aus Lessing’s Schriften, Band I, 1838, Lieder«
Musikvideo: YouTube



1. Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben?
Gestern bey dem Saft der Trauben,
(Bildet euch mein Schrecken ein!)
Kam der Tod zu mir herein. *)

2. Drohend schwang er seine Hippe,
Drohend sprach das Furchtgerippe:
Fort, du theurer Bacchusknecht!
Fort, du hast genug gezecht!

3. Lieber Tod, sprach ich mit Thränen,
Solltest du nach mir dich sehnen?
Sieh, da stehet Wein für dich!
Lieber Tod, verschone mich!

4. Lächelnd greift er nach dem Glase;
Lächelnd macht ers auf der Baase,
Auf der Pest, Gesundheit leer;
Lächelnd setzt ers wieder her.

5. Fröhlich glaub‘ ich mich befreyet,
Als er schnell sein Drohn erneuet.
Narre, für dein Gläschen Wein
Denkst du, spricht er, los zu seyn?

6. Tod, bat ich, ich möchte‘ auf Erden
Gern ein Mediciner werden.
Laß mich : ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafür.

7. Gut, wenn das ist, magst du leben:
Ruft er. Nur, sey mir ergeben.
Lebe, bis du satt geküßt
Und des Trinkens müde bist.

8. O! wie schön klingt dieß den Ohren!
Tod, du hast mich neu geboren.
Dieses Glas voll Rebensaft,
Tod, auf gute Brüderschaft!

9. Ewig muß ich also leben,
Ewig! denn beym Gott der Reben!
Ewig soll mich Lieb‘ und Wein,
Ewig Wein und Lieb‘ erfreun!

*) (Stellt euch mein Erschrecken für !)
Gestern kam der Tod zu mir. 1747.







Die 1888er Weine


Text: Johannes Trojan, 1888


In diesem Jahr am Rheine
sind leider gewachsen Weine,
die an Wert nur geringe;
es reiften nur Säuerlinge
im Verlauf dieses Herbstes.
Nur Herberes bracht'er und Herbstes.
Zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein
ließ erhofften Segen zerronnen sein,
nichts Gutes floss in die Tonnen ein.
Der achtundachtziger Rheinwein
ist leider Gottes kein Wein,
um Leidende zu laben,
um Gram zu begraben,
um zu vertreiben Trauer -
er ist dafür zu sauer!

An der Mosel steht es noch schlimmer,
da hört man nichts als Gewimmer,
nichts als Ächzen und Stöhnen
von den Vätern und Söhnen,
den Müttern und Töchtern
über den noch viel schlechtern
Ertrag der heurigen Lese.
Der Wein ist wahrhaft böse,
ein Rachenputzer und Krätzer;
wie unter Gläubigen ein Ketzer,
wie ein Strolch, ein gefährlicher,
in dem Kreise Ehrlicher
unter guten Weinen erscheint er.
Aller Freude ist ein Feind er,
aller Lust ein Verderber;
sein Geschmack ist fast noch herber,
als der des Essigs, des reinen -
ein Wein ist er zum Weinen!
Aber der Wein, der in Sachsen
in diesem Jahr ist gewachsen,
und bei Naumburg im Tale
der rasch fließenden Saale,
der ist saurer noch viele Male
als der sauerste Moselwein.
Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,
ist dir's, als ob ein Stachelschwein
dir kröche durch die Kehle,
das deinen Magen als Höhle
erkor, darin zu hausen.
Angst ergreift dich und Grausen!

Aber der Grünberger
ist noch sehr viel ärger.
Lass ihn nicht deine Wahl sein!
Gegen ihn ist der Saalwein
noch viel süßer als Zucker.
Er ist ein Wein für Mucker,
für die schlechtesten Dichter
und dergleichen Gelichter.
Er macht lang die Gesichter,
blass die Wangen; wie Rasen
so grün färbt er die Nasen.
Wer ihn trinkt, den durchschauert es,
wer ihn trank, der bedauert es.
Er hat etwas so Versauertes,
dass er sich nicht lässt mildern
und schwer nur ist zu schildern
in Worten oder Bildern.

Aber der Züllichauer
ist noch zwölfmal so sauer
als der Wein von Grünberg.
Der ist an Säure ein Zwerg
gegen den Wein von Züllichau.
Wie eine borstige wilde Sau
zu einer zarten Taube,
so verhält sich, das glaube,
dieser Wein zu dem Rebensaft
aus Schlesien. Er ist schauderhaft,
er ist grässlich und gräulich,
über die Maßen abscheulich.
Man sollte ihn nur auf Schächerbänken
den Gästen in die Becher schenken,
mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,
aber nicht ehrliche Zecher kränken!

Wenn du einmal kommst
in diesem Winter nach Bomst,
deine Erfahrung zu mehren,
und man setzt, um dich zu ehren,
dir heurigen Bomster Wein vor,
dann, bitt' ich dich, sieh dich fein vor,
dass du nichts davon verschüttest
und dein Gewand nicht zerrüttest,
weil er Löcher frisst in die Kleider
und auch in das Schuhwerk leider.
Denn dieses Weines Säure
ist eine so ungeheure,
dass gegen ihn Schwefelsäure
der Milch gleich ist, der süßen,
die zarte Kindlein genießen.
Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,
so fährt er mit lautem Gezisch
gleich hindurch durch die Platte.
Eisen zerstört er wie Watte,
durch Stahl geht er wie durch Butter,
er ist aller Sauerkeit Mutter.
Stand halten vor diesem Sauern
weder Schlösser noch Mauern.
Es löst in dem scharfen Bomster Wein
sich Granit auf und Ziegelstein,
Diamanten werden sogleich,
in ihn hineingelegt, pflaumenweich,
aus Platin macht er Mürbeteig!
Dieses vergiss nicht, falls du kommst
in diesem Winter einmal nach Bomst.


10. Ein König ist der Wein


Text: Franz von Kobell, 1841
Melodie: (Joseph) Joachim Raff, 1876
Musikvideo: YouTube


1. Ein König ist der Wein! 
Mit Segen reich beladen 
Ist er von Gottes Gnaden
:Und mancher Purpur sein,: 
:Ein König ist der Wein!:

2. Ein König ist der Wein, 
Mit seinem Rebenbande 
Umschlingt er alle Lande, 
:Beherrscht sie groß und klein,:
:Ein König ist der Wein!:

3. Ein König ist der Wein, 
Wohnt im krystall'nen Hause 
Und hüllt beim Fürstenschmause
:In Gold sich prangend ein,:
:Ein König ist der Wein!: 

4. Ein König ist der Wein! 
Gibt königliche Feste 
Für viele tausend Gäste 
:In seinem Schloß' am Rhein,: 
:Ein König ist der Wein!:

5. Auf immer für den Wein! 
Der Schmuck an seinem Throne, 
Das Kleinod seiner Krone
:Heißt Freude - Sonnenschein,: 
:Auf immer für den Wein!:


Festgelage

Volkslied um 1821


1. Brüder, zu den festlichen Gelagen
hat ein guter Gott uns hier vereint;
allen Sorgen laßt uns jetzt entsagen,
trinken mit dem Freund, der's redlieh meint.
|: Da, wo Nektar glüht, valleralla!
holde Luft erblüht, valleralla!
wie den Blumen, wenn der Frühling scheint. :|

2. Laßt uns froh die goldne Zeit durchschwärmen,
hangen an des Freundes treuer Brust;
an dem Freunde wollen wir uns wärmen,
in dem Weine kühlen unsre Lust!
|: In der Traube Blut, valleralla!
trinkt man deutschen Mut, valleralla!
wird der Mann sich hoher Kraft bewußt. :|

3. Nippet nicht, wenn Bacchus Quelle fließet,
ängstlich an des vollen Bechers Rand;
wer das Leben tropfenweis' genießet,
hat des Lebens Deutung nicht erkannt:
|: Nehmt ihn frisch zum Mund, valleralla!
leert ihn bis zum Grund, valleralla!
den ein Gott vom Himmel uns gesandt! :|



11. Guter Mann, du gehst so stille


Text: Bläck Fööss 
Melodie: Guter Mond, du gehst so stille
Musikvideo, Bläck Fööss: YouTube


1. Guter Mann, du gehst so stille
durch die Abenddämmerung dahin.
Bist so ruhig und ich fühle,
irgendwas hast Du im Sinn.

Lautlos folg’ ich deinem Schritte.
Knarrend öffnet sich eine Tür.
Dann entschwindest Du meinem Blicke,
Du bist drin und ich bleib’ hier.

2. Fahles Licht scheint auf die enge Gasse
aus dem Fenster dort aus jenem Haus.
Guter Mann, wo du hineingegangen,
alles sieht so still und friedlich aus.

Manchmal öffnet sich die Türe,
Schatten kommen, Schatten gehen.
Mancher still wie du mit gleichem Schritte,
doch die meisten können kaum noch stehn.

3. Eine lange Zeit ist schon vergangen
und ich muss hier oben einsam stehn.
Langsam spür’ auch ich ein Verlangen,
in das kleine, stille Haus zu geh’n.

Doch auf einmal hör ich singen.
Du trittst ein ins fahle Dämmerlicht.
Krachend fällt die Tür ins Schlosse.
Guter Mann, was kümmert es dich?

4. Nicht mehr still, nein fröhlich locker singend
schaukelst du den schmalen Weg entlang.
Hier und da kommt dir ein Haus entgegen,
ab und zu hältst du auch eines an.

Und du sprichst mit der Laterne,
du umarmst sie wie 'nen guten Freund.
Dann entschwindest Du meinem Blicke,
hast dich kurz am Hollerbusch verbeugt.

5. Guter Mann, da bist du endlich wieder.
Die Verbeugung hat dir gut getan.
Scheinst zufrieden mit der Welt und allem
und du fängst auf’s Neu’ zu singen an.

Doch da öffnet sich ein Fenster
und ein Wasserstrahl trifft deinen Hut.
Lachst hinauf, wünschst eine gute Ruhe,
singst dein Lied mit ungebroch’nem Mut.

6. Guter Mann, hier endet deine Reise.
Gott sei Dank, bist du gesund zu Haus.
Legst dein müdes Haupt in weiche Kissen
und ruhst dich von deiner Reise aus.

Aber ich muss weiterziehen.
Hab’ noch einen weiten Weg vor mir.
Doch bestimmt seh’n wir uns bald schon wieder.
Guter Mann, dann leucht ich dir.





12. Herbstlied (Bunt sind schon die Wälder)


Text: Johann Friedrich Reichardt (1799)
Melodie: Johann Gaudenz Salis-Seewis (1782)
Musikvideo, A capella Ammersee: YouTube



1. Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.

2. Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.

3. Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.

4. Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz.





13. Herr Durst


Worte: Hoffmann von Fallersleben
Gerne gesungen von den Brüdern Grimm und Karl Simrock bei ihrem Treffen in Menzenberg.


1. Herr Durst ist ein gestrenger Mann,
der lässt sich gar nicht foppen;
ob’s Wetter gut ist oder schlecht,
er geht nicht ab von seinem Recht,
er fordert seinen Schoppen.

2. Und wer ihm den nicht geben will,
den quälet er tagtäglich,
er quält in hier, er quält ihn dort,
er quälet ihn in einem fort
und quält ihn ganz unsäglich.

3. Da gilt kein Ansehn der Person,
nicht Stand noch Würd’ und Ehren:
Herr Durst, der kehrt bei allen ein,
bei Reich und Arm, bei Groß und Klein
und niemand kann’s ihm wehren.

4. Ihn rührt kein Ernst, ihn rührt kein Spaß,
kein Pfeifen und kein Singen.
Ihr könnt ihn nicht durch Spott und Hohn,
ihr könnt ihn nicht durch Schmäh’n und Drohn
von seiner Forderung bringen.

5. Drum macht’s wie ich: Ich bin bereit,
sein Schöpplein ihm zu zollen.
Und lässt er mich dann nicht in Ruh’.
trink ich ihm noch ein Zweites zu,
dann hört er auf zu schmollen.




Immer feucht sei meine Kehle


1. Immer feucht sei meine Kehle
und der Becher nicht zu klein!
Nur Philister und Kamele
können lange durstig sein.
Gute Menschen müssen singen
wie die lieben Engelein;
darum sei vor allen Dingen
unser Leib vom Staube rein.

2. Freunde, lernet von den Fröschen,
diesem Sänger-Lumpenpack,
allen Erdenstaub zu löschen,
der den Schlund beschweren mag.
Trinke! wem Gesang gegeben,
trinke! wer nicht singen kann;
euch zum Himmel zu erheben
feuchtet eure Schwingen an!

3. Charon selbst am dunkeln Styxe
trinket Lethe und begehrt
erst ein Trinkgeld in die Büchse,
eh' er uns hinüberfahrt.
Laßt den Alten durstig werden,
warten mag der Grobian:
denn am längsten lebt auf Erden,
wer am längsten trinken kann.



14. In jedem vollen Becher Wein


Worte: Rudolf Hermanns, vor 1896 (1853—1909)
Weise: Otto Lob, 1896 (1837—1908)
Musikvideo: YouTube



1. In jedem vollen Becher Wein 
sehe unten auf dem Grund 
:ich deine hellen Äugelein: 
:und deinen süßen Mund: 

2. Da trinke ich schnell 
und warte nicht 
und küsse dich im Wein 
:aufs neu zu schauen dein Angesicht: 
:schenk ich schnell wieder ein: 

3. So füll und leer den Becher ich 
und trinke immerzu. 
:Nennt man mich nächstens liederlich: 
:ja, schuld daran bist du: 


Lob des Weines

Novalis (um 1800)


1. Auf grünen Bergen wird geboren
der Gott, der uns den Himmel bringt;
die Sonne hat ihn sich erkoren,
daß sie mit Flammen ihn durchdringt;
die Sonne hat ihn sich erkoren,
daß sie mit Flammen ihn durch dringt,
daß sie mit Flammen ihn durchdringt.

2. Er wird im Lenz mit Lust empfangen;
der zarte Schoß quillt still empor,
|: und wenn des Herbstes Früchte prangen,
springt auch das gold'ne Kind hervor. :|

3. Sie legen ihn in enge Wiegen,
ins unterirdische Geschoß;
|: er träumt von Festen und von Siegen
und baut sich manches lust'ge Schloss. :!

4. Es nahe keiner seiner Kammer,
wenn er sich ungeduldig drängt,
|: und jedes Band und jede Klammer
mit jugendlichen Kräften sprengt. :|

5. Denn unsichtbare Wächter stellen,
so lang er träumt, sich um ihn her,
[: und wer betritt die heil'gen Schwellen,
den trifft ihr luftumwundner Speer. :|

6. So wie die Schwingen sich entfalten,
läßt er die lichten Augen sehn,
|: läßt ruhig seine Priester walten,
und kommt herauf, wenn sie ihn flehn. :|

7. Aus seiner Wiege dunklem Schöße
erscheint er im Krystallgewand;
|: verschwiegner Eintracht volle Rose
trägt er bedeutend in der Hand. :|

8. Und überall um ihn versammeln
sich seine Jünger hocherfreut,
|: und tausend frohe Zungen stammeln
ihm ihre Lieb' und Dankbarkeit. :|

9. Er spritzt in ungezählten Strahlen
sein inn'res Leben in die Welt;
|: die Lippe nippt aus seinen Schalen
und bleibt ihm ewig zugesellt. :|

10. Er nahm als Geist der goldnen Zeiten
von jeher sich des Dichters an,
|: der immer seine Lieblichkeiten
in trunknen Liedern aufgetan. :|

11. Er gab ihm, seine Treu' zu ehren,
ein Recht auf jeden hübschen Mund,
|: und daß es keine darf ihm wehren,
macht Gott durch ihn es allen kund. :|



15. Lustig, lustig, ihr lieben Brüder


19. Jahrhundert
Musikvideo, Wacholder: YouTube



1. Lustig, lustig ihr lieben Brüder,
so leget all eure Sorgen nieder
:und trinkt ein Glas Champagnerwein:

2. Auf die Gesundheit aller Brüder
die da reisen auf und nieder
:dies soll unsre Freude sein:

Refrain
Denn unser Handwerk das ist verdorben,
die letzten Saufbrüder sind gestorben
:es lebet keiner mehr als ich und du:

3. Und sollte wirklich noch einer leben,
so soll der Meister ihm den Abschied geben
:denn er macht ihm das Leben sauer:

4. Und auch in Polen ist nichts zu holen
Als ein paar Stiefel ohne Sohlen
:Bei Danzig geht die See schon an:

5.. Da wollen wir aufs Schifflein setzen
Und unser junges Herz ergötzen
:Wir wollen fahren auf die See:

6. Schifflein, Schifflein, du mußt dich wenden
du mußt den Bug nach Riga wenden
:in die russische Kaufhandelsstadt:

7. Dann wollen wir es noch einmal wagen
Wir wollen fahren nach Kopenhagen
:Nach der dänischen Residenz:

8. In Bergen regnet es große Tropfen,
getrunken wird hier aus Malz und Hopfen,
korngelb gebrautes nordisch Bier.

9. Weg mit dem Meister, weg mit den Pfaffen
Kaiser, König soll sich raffen
:weg, wer da kommandieren will:

10. Als wir durch deutsche Lande zogen
haben wir so manchen Wirt betrogen
:doch seine Tochter war uns gut genug:

11. Darauf wollen wir lustig saufen
schöne Mädchen wollen wir kaufen
:Das soll unser Handwerk sein:

12. Ich hatte manchen blanken Gulden
heute hab ich ‘ne Menge Schulden
:Doch einen Humpen für der Seele Ruh:

13. In Lübeck hab ich es angefangen
nach Hamburg stand dann mein Verlangen
:Das schöne Bremen hab ich längst gesehen:

14. Das Brandenburger Land hat mir gefallen
die Festung Magdeburg vor allen
:Berlin, die alte Branntweinburg:

15. Wie auch Celle, Hannover, Münden
von da aus wolln wir nach dem Rhein verschwinden.
:wohl nach dem alten heiligen Köln:

16. Gleich übern Berg gings dann rein nach Hessen
das trübe Ländle hab ich gleich vergessen
:im Blauen Bock beim Äppelwoi:

17. Frankfurt am Main hab ich gesehen

der Herbergstochter mußte ich gestehen
:der letzte Heller muß versoffen sein:

18. In Mannheim wolln wir unser Glück probieren
nach Karlsruh wird uns der Weg dann führen
so kommen wir in Elsaß rein
:in Straßburg gibt es guten Wein:

19.: In Freiburg geht’s nicht lang logieren,
wir wollen in die Schweiz marschieren,
:nach Basel, Zürich und bis Bern:

20. Wir wollen auch noch Bonn besuchen,
in Bingen gibt’s zum Wein auch Kuchen,
bei Mainz, da fließt der Main in‘ Rhein.

21. Nach Thüringen möcht ich hinein
in Jena, Erfurt, Weimar sein
:und auf der Wartburg kehren ein:

22. In Königsbrück hat mir’s gefallen
die vielen Töpfer hier vor allem,
die Scheiben drehn sie, drehn und drehn.

23 Was warn die Töpfer für Gesellen,
hörten sie nachts die Hunde bellen
so fraßen sie die einfach auf.

24. Wie auch in Leipzig, Dresden, Sachsen,
wo all die schönen Mädchen wachsen,
:wohl in dem schönen Rosenthal:

25. Die braven Bürger im sturen Bayern
die zahlen pünktlich ihre Steuern
:man hat sie dort wohl auch erdacht:

26. Und wer dies alles hat gesehen,
der kann getrost nach Hause gehen
:und nehmen sich ein junges Weib:

27. Denn wir sind alle freie Leute,
die ganze Welt gehört uns als Beute,
:ja, also ist es gut und recht:

28. Schlagt ein die Fässer und laßt es laufen,
heute heißt es wacker saufen,
:denn solch ein Himmelreich ist nah:

29. Darauf wollen wir lustig saufen,
schöne Mädchen wollen wir uns kaufen,
:ja das soll unser Handwerk sein:

Refrain
Denn unser Handwerk das ist verdorben,
die letzten Saufbrüder sind gestorben
:es lebet keiner mehr als ich und du:




Martinslied

Um 1540


1. Sanct Martin wöllen loben wir,
Der uns aus Most kann machen schier
Den Wein den wir solln trinken.
Darum wöll wir mit ganzer Gier,
Was unser ist in der Revier,
Des Wirtes Knecht her winken.

2. Daß er uns gnug des Weins her trag
Und darnach in der Küchen frag
Die Köchin oder die Hausdieren,
Ob sie die Gans gebraten hab,
Darauf man dann wol trinken mag
Und auf die Schweinebraten.

3. Herr Wirt, nun laßt uns fröhlich sein,
Und trag uns her ein guten Wein,
Keins argen, nur des besten!
Groß Kandel voll, das Fäßlein dein
Sollt du uns allzeit schenken ein,
So gewinnst du fröhlich Gäste.

16. Das Muskatellerlied


Worte: In Fischarts "Geschichtsklitterungen", 1575
(Schon im 15. Jahrhundert bekannt)

Weise: Neuere Weise in Göpels Kommersbuch, 1848
Musikvideo: Württembergischer Kammerchor: YouTube


1. Den liebsten Buhlen, den ich han,
er leit beim Wirt im Keller;
er hat ein hölzern Röcklein an
und heisst der Muskateller.
Er hat mich nächtens trunken g´macht
und fröhlich heut den ganzen Tag,
Gott, geb ihm heint ein gute Nacht!

2. Von diesem Buhlen, den ich mein',
will ich dir bald eins bringen,
es sei der allerbeste Wein,
macht lustig mich zu singen,
frischt mir das Blut, gibt freien Mut,
all´s durch sein Kraft und Eigenschaft.
Nu grüss dich Gott, mein Rebensaft!



17. Roter Wein im Becher



Pfadfinderlied
Musikvideo, Die Galgenvögel: YouTube



1. Roter Wein im Becher,
der beste Rebensaft.
Wir sind ein Haufen Zecher
und gehn auf Wanderschaft.
/:Radi, Radi, radi, ralala, radi, radi, ra tiradiralala.:/

2. Morgens bricht die Runde
zu neuen Fahrten auf.
Es klingt in aller Munde
ein frohes Liedchen auf.
/:Radi, Radi, radi, ralala, radi, radi, ra tiradiralala.:/

3. Steine, Staub und Dornen
ist schwerlich Tippelei.
Wir müssen uns anspornen,
die Qual/Fahrt ist bald vorbei.
/:Radi, Radi, radi, ralala, radi, radi, ra tiradiralala.:/

4. Treffen wir uns wieder,
der Zufall nennt den Ort.
So schallen unsre Lieder
in weite Fernen fort.
/:Radi, Radi, radi, ralala, radi, radi, ra tiradiralala.:/





18. Sitz' ich in froher Zecher Kreise


Worte u. Weise: Ludolf Waldmann, 1880 (1840—1919)
Musikvideo: YouTube



1. Sitz' ich in froher Zecher Kreise 
und nehm' das volle Glas zur Hand, 
trink' ich nach alter deutscher Weise 
und nippe nicht an dem Rand! 
Die Väter haben's uns gelehrt, 
wie man die vollen Humpen leert! 

Refrain
Denn |:die alten Deutschen tranken ja auch;
sie wohnten am Ufer des Rheins
und lagen auf der Bärenhaut
und tranken immer noch eins!:|
|:Noch eins!:| Sie wohnten am Ufer des Rheins!
|:Noch eins!:| Sie tranken immer noch eins!

2. Wer Bacchus und Gambrinus ehret,
der lebt gar löblich in der Welt,
dieweil uns die Geschichte lehret,
daß beide waren hochgestellt!
Der eine wohl ein König war,
der andere ein Gott sogar!
Und die alten usw. 


Refrain


3. So lasset uns die Gläser heben 
und stimmet fröhlich mit darein, 
laßt Bacchus und Gambrinus leben, 
sie sollen hochgepriesen sein! 
Doch auch der Väter sei gedacht, 
auch ihnen sei ein Trunk gebracht! 

Refrain






19. Trinklied



Text: Johann Wolfgang v. Goethe
Melodie: F. Mendelssohn—Bartholdy
Musikvideo: YouTube



1. So lang man nüchtern ist, gefällt das Schlechte,
Wie man getrunken hat, weiß man das Rechte,
Nur ist das Übermaaß auch gleich zu Händen,
Hafis, o lehre mich, wie du's verstanden.

2. Denn meine Meinung ist nicht übertrieben,
Wenn man nicht trinken kann, soll man nicht lieben.
Doch sollt ihr Trinker euch nicht besser dünken, 
Wenn man nicht lieben kann, soll man nicht trinken.



Wann muss man trinken


1. Im Herbst, da muß man trinken!
Da ist die rechte Zeit;
es reift uns ja der Trauben Blut,
und dabei schmeckt der Wein gut,
im Herbst, da muß man trinken!

2. Im Winter muß man trinken!
Im Winter ist es kalt,
da wärmet uns der Trauben Blut,
und dabei schmeckt der Wein so gut -
im Winter muß man trinken!

3. Im Sommer muß man trinken!
Im Sommer ist es heiß,
da kühlet uns der Trauben Blut,
und dabei schmeckt der Wein so gut -
im Sommer muß man trinken!

4. Im Frühling muß man trinken!
Da ist's nicht heiß noch kalt,
da labt uns erst der Trauben Blut,
da schmeckt der Wein uns doppelt gut -
im Frühling muß man trinken!





20. Weinlied

Quelle: Hans-Eckardt Wenzel
Musikvideo: YouTube


1. Ohne Wein wär dieses Leben tragisch,
ohne Wein und ohne die Musik,
all die Räusche, ach wie göttlich, magisch,
alle Fässer träumende Kubik.

All die Reben aus des Herbstes Nebeln,
die im Keller auf uns warten, still,
Meer, darüber unsre Seelen segeln,
wenn die Nacht partout nicht enden will.

Füllt die Gläser, sucht nicht nach Gründen!
Wenn wir bei uns sind, trinkt es sich gut.
Ströme Wein ins Meer des Leben münden,
wenn wir wieder zueinander finden
und die Welt sich mischt mit unserm Blut
und der Wein sich mischt mit unserm Blut.

2. Blauer Zweigelt, grün ist der Veltliner,
aus den Gläsern steigt der Duft der Welt.
Ob du Wiener bist oder Berliner,
es ist der Wein, der uns zusammenhält.

In der Schänke, über Labyrinthen,
wo wir stets zu lange sitzend blieben,
werden wir die letzte Wahrheit finden,
denn die Zeit ist furchtbar knapp wie nie.

Füllt die Gläser, sucht nicht nach Gründen!
Wenn wir bei uns sind, trinkt es sich gut.
Ströme Wein, ins Meer des Leben münden,
wenn wir wieder zueinander finden
und die Welt sich mischt mit unserm Blut
und der Wein sich mischt mit unserm Blut.

3. Die Asketen bleiben uns gestohlen.
Wir verglühen wie ein heller Stern.
Neue Flaschen! Lasst uns Nachschub holen!
Heute leben wir noch mal so gern.

Über's Land legt sich der Winter leise.
In den Fässern reift der neue Wein.
Neues Jahr. Auf eine neue Reise!
Lasst uns leben, schenkt uns noch mal ein!

Füllt die Gläser, sucht nicht nach Gründen!
Wenn wir bei uns sind, trinkt es sich gut.
Ströme Wein, ins Meer des Leben münden,
wenn wir wieder zueinander finden
und die Welt sich mischt mit unserm Blut
und der Wein sich mischt mit unserm Blut.




21. Weinlied  


Edmund Eysler, aus der Operette "Der lachende Ehemann"
Musikvideo, Rudolf Schock: YouTube



1. Fein, fein schmeckt uns der Wein,
Wenn man zwanzig ist, und auch die Liebe.
Fein, fein schmeckt uns der Wein
Wenn man dreißig ist, und auch die Liebe,
Wenn man vierzig ist, man noch gerne küsst,
B'sonders wenn man einst sparsam gewesen ist.
Doch wenn man älter wird,
Ein wenig kälter wird,
Bleibt allein nur der Wein.

2. Du lustigster der Philosophen
Dir widmete ich viele Strophen,
Von meines Lebens heitrem Lied,
Das jetzt an mir vorüberzieht.
Du heiterster der Sorgenbrecher,
Du einz'ger trost der Lebenszecher,
Und muß das Lied zu Ende gehn,
So widme ich dir den Refrain: 


Fein, fein schmeckt uns der Wein . . .




22. Weinlied


Text: Theodor Körner (1791 - 1813)


Einer
Gläser klingen, Nektar glüht
in dem vollen Becher,
und ein trunk'nes Götterlied
Tönt im Kreis der Zecher.
Mut und Blut braust in die Höh,
alle Sinne schwellen
unter'm Sturm der Evoe
fröhlicher Gesellen.

Chor
Die Jugendkraft
Wird neu erschafft,
In Nektarsglut
Entbrennt der Mut!
Drum, der uns Kraft und Mut verleiht,
Dem Weingott sei dies Glas geweiht!

Einer
Becher! Deinen Purpursaft schlürf' ich froh hinunter,
Denn des Herzens stolze Kraft
Lodert im Burgunder,
Glüht er nicht mit deutschem Mut,
Und mit deutschen Flammen,
Eint er doch des Südens Glut
Mit dem Ernst zusammen.

Chor
Wer in sich Mut
Und Taten-Glut
Und stolze Kraft
Zusammen rafft,
Und wer im Wollen fühlt die Macht,
Dem sei der Becher dargebracht.

Einer
Aber jetzt ringt Jugendlust
In Champagners Schäumen,
Wie in frischer Jünglingsbrust 
Träume kühn mit Träumen.
Leichtes Blut, verwegnes Herz,
Stolzes Selbstvertrauen,
Froher Sinn bei Leid und Schmerz,
Mutig Vorwärtsschauen.

Chor
Das Auge sprüht,
Die Wange glüht,
Es wogt die Brust
In trunkner Lust.
Der schönen frohen Jugendzeit,
Der sei dies volle Glas geweiht!

Einer
Doch des Südens ganze Pracht,
Und ein schöner Feuer,
Und der Liebe süße Macht
Lodert im Tokaier.
Golden schäumt er im Pokal,
Hell wie Himmelskerzen,
Wie der Liebe Götterstrahl
Glüht im Menschenherzen.

Chor
Der Liebe Glück
Wie Sonnenblick
Im Paradies,
So hold, so süß!
Der höchsten Erdenseligkeit,
Der Liebe sei dies Glas geweiht!

Einer
Aber jetzt der letzte Trank,
Rheinwein glüht im Becher!
Deutscher Barden Hochgesang
Tönt im Kreis der Zecher.
Freiheit, Kraft und Männerstolz,
Männerlust und Wonne
Reift am deutschen Rebenholz,
Reift in deutscher Sonne.

Chor
Am Rhein, am Rhein
Reift deutscher Wein,
Und deutsche Kraft
Im Rebensaft.
Dem Vaterland mit voller Macht
Ein dreifach donnernd Hoch gebracht!

Einer
Unsern frohen Zecherkreis –
Daß er ewig bliebe!
Führe auf des Lebens Gleis
Freiheit, Kraft und Liebe!
Drum, eh’ wir zum letztenmal
Unsre Gläser leeren.
Soll der Brüder volle Zahl
Diesen Bund beschwören.

Chor
Ein festesHerz
In Lust und Schmerz,
In Kampf und Not,
Frei– oder Tod! –
Und daß der Bund auch ewig währt,
Drauf sei dies letzte Glas geleert!



23. Wein-Marsch


Carl August Kern, 1836-1897, Op 71
Offenbach am Main, 1885


1. Gesellen, nehmt das Glas zur Hand,
Stosst an! Trinkt aus! Singt fein! 
Das Lied vom Wein 
Ist leicht und klein 
Und flösst uns Lust zumTrinken ein.

2. O, wer das Lied vom Wein nicht weiß,
Der lern' es heut in unserm Kreis. 
Das Lied vom Wein 
ist leicht und klein
Und flösst uns Lust zum Trinken ein.

3. Der schwatzt nicht lang bei Gläserklang
 
Der Wein begeistert zum Gesang.
Wer singen kann, 
der preis' ihn hoch,
Und wer's nicht kann, der summe doch.

4. Der Wein erfrischt das Blut, gibt neuen Mut 
Und macht die Herzen mild, 
und macht sie immer gut,
Der Wein, der ist der Sorgen jäher Tod
Zu schöner That: Ein Aufgebot.

5. Der Trinkgenoss' ist all'zeit ohne Schloss
Und ohne Schätze reich 
und ohne Schätze groß.
Ja, Götter sind beim Weine wir
Und der Olymp ist künftig hier.

Drum bringt dem Wein ein kräftig Hoch!
Er lebe hoch: Der goldne Wein! Er lebe hoch!
 






24. Wohlauf noch getrunken (Wanderlied)


Text: Justinus Kerner (1809),
Melodie: Volksweise (1826)
Musikvideo: YouTube



1. Wohlauf noch getrunken
den funkelnden Wein,
Ade nun, ihr Lieben,
geschieden muß sein.
Ade nun, ihr Berge, du väterlich Haus
Es treibt in die Ferne, mich mächtig hinaus.
Ade nun, ihr Berge, du väterlich Haus.
Es treibt in die Ferne mich mächtig hinaus, hinaus.

Juvivallera, juvivallera,
juvivallerallerallera, 
juvivallera, juvivallera,
juvivallerallerallera!


2. Die Sonne, sie bleibet
am Himmel nicht stehn;
es treibt sie, durch Länder
und Meere zu gehn.
Die Woge nicht haftet
am einsamen Strand;
die Stürme, sie brausen
mit Macht durch das Land.

Juvivallera, ...


3. Mit eilenden Wolken
der Vogel dort zieht
und singt in der Ferne
ein heimatlich Lied.
So treibt es den Burschen
durch Wälder und Feld,
zu gleichen der Mutter,
der wandernden Welt.
Juvivallera, ...


4. Da grüßen ihn Vögel,
bekannt über'n Meer;
sie flogen von Fluren
der Heimat hierher.
Da duften die Blumen
vertraulich um ihn,
sie trieben vom Lande
die Lüfte dahin.

Juvivallera, ...


5. Die Vögel, die kennen
sein väterlich Haus.
Die Blumen einst pflanzt' er
der Liebe zum Strauß;
und Liebe, die folgt ihm,
sie geht ihm zur Hand:
So wird ihm zur Heimat
das ferneste Land.

Juvivallera, ...