Arndt: Trinklied


Trinklied


(Ernst Moritz Arndt, 1817) 

Bringt mir Blut der edlen Reben,
Bringt mir Wein!
Wie ein Frühlingsvogel leben,
In den Lüften will ich schweben
Bei dem Wein, bei dem Wein!

Bringt mir Epheu, bringt mir Rosen
Zu dem Wein!
Mag Fortuna sich erbosen;
Selbst will ich mein Glück mir losen
In dem Wein, in dem Wein!

Bringt mir Mägdlein, hold und mundlich.
Zu dem Wein!
Rollt die Stunde, glatt und rundlich.
Greif ich mir die Lust sekundlich
In dem Wein, in dem Wein!

Bringt mir auch, was nicht darf fehlen
Bei dem Wein,
Ächte, treue, deutsche Seelen
Und Gesang aus vollen Kehlen
Zu dem Wein, zu dem Wein!

Heil Dir, Quell der süßen Liebe
In dem Wein!
Sorgen schleichen weg wie Diebe,
Und wie Helden glüh’n die Triebe
Bei dem Wein, bei dem Wein!

Heil Dir, Quell der süßen Wonne
In dem Wein!
Ach, schon seh’ ich Frühlingssonne,
Mond und Sternlein in der Tonne,
In dem Wein, in dem Wein!

Und dies Letzt’, wem soll ich’s bringen
In dem Wein?
Süßestes von allen Dingen,
Dir, o Freiheit, will ich’s bringen
In dem Wein, in dem Wein!